Zum Inhalt springen

Augenblicke – Das Leben ist bunt

Straßenfotografie wird meist mit Schwarzweißaufnahmen verbunden, diese dominieren auch heute noch das Genre. Das hat seine guten Gründe. Die Verbannung der Farbe konzentriert die Aussage, Formen und Strukturen treten in den Vordergrund. Gerade wenn es um die Darstellung von Menschen geht, kann dies die Bildaussage stärken. Auch ich arbeite in der Straßenfotografie vorwiegend Schwarzweiß. Aber diesmal soll es Farbe sein. Denn es gibt Szenen des Lebens, in denen es eben auf die Farben ankommt, die von der Farbigkeit leben. Und es gibt ja deshalb berühmte Straßenfotografen, die bewusst auf Farbfotografie setzen, etwa Saul Leiter, Joel Meyerowitz oder Michael Parr.

Die Einladung zu den Marburger Fototagen, über die ich mich sehr gefreut habe, nehme ich zum Anlass, dem mit einigen Fotos nachzueifern. Der Farbkontrast von Rot und Gelb, der die Busfahrerin umrahmt und der quasi in deren Gesicht mit den pointiert roten Lippen umgekehrt wiederkehrt; der blaue Anzug und die rote Krawatte als Kontrapunkte des ansonsten mit den Farbtönen der Umgebung harmonisierenden, ja fast verschmelzenden Zeitunglesers auf der Parkbank; das Lila des selbstbewusst getragenen jugendlichen Kleides der älteren Dame, das mit der Lippenstiftwerbung korrespondiert und so deren interessierten Blick „trägt“ – Farbe wird hier zu einem tragenden Bestandteil der Bildsprache. Schwarz, Grau und Weiß könnten die Bildaussage kaum vollständig wiedergeben oder würden zu einer anderen Bildaussage führen.

[Text zur Ausstellung auf der Homepage der Fototage]

Ein Überbblick zu den ausgestellten Fotografien, bei deren Auswahl mich Stefanie Wiesel wertvoll beraten hat,  findet sich in der >>> Fotoliste.